Erste-Hilfe beim Hund

Viele Hundebesitzer sind im Ernstfall nicht in der Lage bei ihrem eigenen oder einem fremden Hund Erste Hilfe zu leisten. Das liegt nicht am fehlenden guten Willen, sondern meist an der Angst, etwas falsch zu machen. Bei einem „Erste Hilfe Kurs für den Hund“ lernen Sie theoretische und praktische Kenntnisse, um im Notfall eine Erstversorgung zu leisten.

Verhalten im Notfall

  1. Das wichtigste ist „Ruhe bewahren“, Panik überträgt sich auf den Hund.Erste Hilfe
  2. Selbstschutz beachten. Die Abwehrreaktionen verletzter Hunde sollte man nicht unterschätzen. Viele Hunde erkennen in ihrer Panik und unter Schmerzen weder Freund noch Feind.
  3. Bringen Sie den Hund aus der Gefahrenzone und verhindern Sie jede Fluchtmöglichkeit.
  4. Legen Sie den Hund immer auf die unverletzte Seite.
  5. Bei Bewusstlosigkeit sollte man dem Hund die Zunge aus dem Fang ziehen, damit er nicht erstickt. Der Kopf sollte schräg nach unten gelagert sein, damit Blut, Schmutz und Erbrochenes nach außen abfließen kann. Bestenfalls Maulhöhle auswischen falls Futterreste vom erbrechen noch im Rachen stecken.
  6. Den Tierarzt darüber informieren, was passiert ist, welche sichtbaren Verletzungen liegen vor, ist der Hund bei Bewusstsein usw. Der Tierarzt kann dann wertvolle Tipps für die Erstversorgung des Hundes geben.
  7. Fahren Sie unverzüglich zum Tierarzt.

 
Allgemeines

  1. Erste HilfeAtmungskontrolle: Je nach Größe des Hundes 15 bis 30 Atemzüge/Min, kleine Hunde atmen schneller als große. Bewegung des Brustkorbes und der Bauchwand beobachten. Wenn man die Hand oder einen Büschel Haare vor die Nase hält, fühlt bzw. sieht man die Atmung.
  2. Kreislaufkontrolle: Das Herz schlägt zwischen 70- und 130-mal in der Minute, bei kleinen Hunden mehr als bei großen. Auf der linken Seite hinter dem Ellenbogen, zwischen der 3.und 6. Rippe, ist der Herzschlag tastbar.
  3. Pulskontrolle: An der Innenseite der Hinterbeine zu fühlen.
  4. Mundschleimhautkontrolle: Farbe: rosarot – normal, weiß – schlecht, blau – Sauerstoffmangel. Durchblutung: Druck auf die nicht pigmentierte  Mundschleimhaut. 2 Sekunden nach dem Drücken muss die Schleimhaut wieder rosarot sein.
  5. Temperaturkontrolle: Die Temperatur wird im After gemessen, Normaltemperatur: 38°C bis 39°C.


Symptome und erste Maßnahmen

Schock
Der Hund ist unsicher, taumelt, hechelt stark, hat Atemnot oder ist evtl. bewusstlos. Häufig Zittern, kalte Ohren, beschleunigte Atmung, blasse Schleimhäute, schneller schwacher Puls. Ein Schock ist lebensbedrohlich!
Bei Bewusstlosigkeit den Hund auf die Seite legen, hinten etwas erhöht, Kopf gestreckt, Zunge raus. Hund in eine Decke wickeln, schneller Transport zum Tierarzt.

Atemstillstand
Wirklich Atemstillstand oder kurzzeitige Kreislaufschwäche? 
Atmung überprüfen: Bewegung des Brustkorbes und der Bauchwand beobachten. Wenn man die Hand oder einen Büschel Haare vor die Nase hält, fühlt bzw. sieht man die Atmung. Prüfen, ob Fremdkörper oder Erbrochenes die Atmung blockiert: Kopf strecken, Zunge weit vorziehen und evtl. Fremdkörper entfernen.

Herzstillstand
Bewusstlosigkeit, keine Atmung, kein Herzspitzenstoß und weite Pupillen = Herzstillstand!!! Herzschlag überprüfen: Auf der linken Seite hinter dem Ellenbogen zwischen der 3.und 6. Rippe. Puls an der Innenseite der Hinterbeine kontrollieren.

Reanimation
Beatmung
: Lefzen mit beiden Händen gut zudrücken und geschlossen gehalten. Luft gleichmäßig mit nicht zu viel Druck, bei großen Hunden Mund zu Nase, bei  kleinen Mund zu Maul und Nase, einblasen. Nach jedem Einblasen eine Pause zum Entweichen der Luft machen, ca. 20-30-mal in der Minute. Beobachten, ob der Hund wieder selbst atmet.
Herzdruckmassage: Achtung Herzdruckmassage nie zu früh anfangen, ein noch vorhandener Herzschlag könnte dadurch gestört werden und niemals am lebenden Tier üben.
Hund in rechte Seitenlage, linkes Vorderbein nach vorne, mit der Hand (große Hunde) oder den Knöcheln von 2 Fingern (kleine Hunde) direkt hinter dem Ellenbogen auf den Brustkorb drücken, prüfen, ob das Herz wieder schlägt. Je 15 Stöße, dann Beatmen. Bei Welpen Hand von unten an die Brust, Daumen auf die linke Seite, Finger auf die rechte Seite, rhythmisch mit dem Daumen drücken.

Wunden
Sehen oft harmloser aus, als sie sind. Die Tiefe der Verletzung ist schwer beurteilbar und Verletzungen der inneren Organe sind möglich. Niemals sofort den Fremdkörper entfernen, es kann zu starken Blutungen kommen. Falls die Gefahr besteht das der Fremdkörper weiter in die Wunde eindringt oder Abbrechen könnte, mit einem Dreieckstuch, Schal o. ä. außen herum abpolstern. Beim Transport aufpassen dass der Hund nirgends damit anstößt. 

Blutung Stillen
Den blutenden Teil des Körpers hoch lagern. Wunde so wenig wie möglich manipulieren. Größere Fremdkörper in der Wunde lassen. Größere Blutungen direkt abdrücken: Kompresse, Verbandpäckchen auf die Wunde drücken.
Druckverband: Die Blutung mit einer Kompresse 2 bis 3-mal umwickeln, dann Druckpolster auflegen und mehrfach stramm umwickeln. Abbinden der Gliedmaße nur als letzte Hoffnung, wenn alle anderen Versuche, die Blutung zu stoppen, erfolglos waren.

Bissverletzungen
Sehen oft harmloser aus, als sie sind. Sind immer infiziert und es besteht die Gefahr der Bildung von Abszessen. Die Haut kann durch das Schütteln von der Unterlage abgerissen sein, sodass Wundtaschen entstehen. Infektionsgefahr!

Knochenbrüche
ACHTUNG
: Knochenbrüche sind mit starken Schmerzen verbunden! Den gebrochenen Knochen schonen, Hund möglichst nicht Bewegen. Niemals selbst Richtungsversuche am gebrochenen Knochen vornehmen. Offene Brüche steril abdecken. Schienung nur, wenn das Bein extrem instabil ist. Das Bein der Länge nach dick abpolstern und mit einer Mullbinde von unten einwickeln.  Niemals von oben anfangen da kann ein Blutstau im Fuß entstehen.

Fremdkörper im Fang
Der Hund reibt mit der Pfote über die Schnauze,  speichelt und ist am Maul schmerzempfindlich. Mundhöhle auf Fremdkörper inspizieren. Fremdkörper falls möglich nicht selber entfernen. Die Gefahr, dass der Hund beißt oder der Fremdkörper noch weiter in den Rachen rutscht ist zu groß. Tierarzt anrufen, Fall ankündigen und sofort los fahren.

Atemnot
Verengung der Atemwege durch Fremdkörper, Insektenstiche, allergische Reaktionen, Einatmen von Futter oder Erbrochenem. Der Hund atmet angestrengt, das Maul ist geöffnet und die Schleimhäute werden blau. Maul und Rachen auf Fremdkörper untersuchen, für frische Luft sorgen und schnell zum Tierarzt.

Augenverletzungen
Hund kneift ein Auge zu, Fremdkörper oder die Nickhaut ist zu sehen.  Hund am Reiben hindern. Bei Verätzung oder losem  Fremdkörper, Auge von der Nase weg mit viel Wasser ausspülen. Bei Vorfall des Augapfels ein nasses Tuch auf das Auge legen, sofort zum Tierarzt.

Insektenstich
Schmerzhafte Schwellung und Rötung. Bei Allergie, starke Rötung und Quaddelbildung, schlimmstenfalls Schock. Bei Stichen im Maul oder Rachen, Schluckbeschwerden bis zur Atemnot. Bei Stichen in die Haut Stachel entfernen, Kühlen und ein Schmerz- und juckreizstillenden Gel auftragen. Bei starker Schwellung oder Stiche in den Rachen oder Maul, Eis füttern und sofort zum Tierarzt.

Hitzschlag
Im Sommer durch Überanstrengung beim Spaziergang in der prallen Sonne oder im geparkten Auto. Hecheln, Speicheln, Kreislaufbeschwerden, Apathie, Bewusstlosigkeit und Krämpfe. Den Hund an einen kühlen Ort bringen. Seitenlage bei Bewusstlosigkeit, Kopf etwas höher lagern. Körper langsam abkühlen, beginnend an den Beinen mit nicht so kaltem Wasser oder in feuchte Tücher wickeln.

Verbrennungen
Sofort mit lauwarmem Wasser abspülen. Bei kaltem Wasser zieht sich die Haut zu schnell zusammen. Nicht reiben, kein Mehl, Quark o.ä. verwenden.

Stromschlag
Stromquelle sofort abschalten, wenn das nicht möglich ist, den Hund mit einem nicht leitenden Gegenstand von der Stromquelle trennen. Brandwunden steril abdecken, Kontrolle der Atmung und des Kreislaufs.

Unterkühlung
Bei 37,5°C – 35°C Kältezittern und bläuliche Schleimhäute. Bei 35°C – 31°C Apathie,  Atmung und Herzschlag verlangsamt. Unter 31°C Bewusstlosigkeit und Herz-Kreislaufstillstand . Vorsichtiges, langsames Erwärmen durch einwickeln in eine Decke oder Körpertemperatur des Helfers.

Vergiftungen
Fressen, Einatmen oder Hautkontakt mit für den Hund giftigen Substanzen. Die Symptome sind je nach Substanz, die aufgenommen wird, extrem unterschiedlich. Giftreste mit zum Tierarzt nehmen. Bei äußeren Verätzungen mit viel Wasser spülen und bei inneren Verätzungen klares Wasser trinken lassen. Bis 1 Stunde nach Giftaufnahme ist es möglich, das Erbrechen mit Salzwasser einzuleiten. NIEMALS Erbrechen auslösen, wenn das Gift nicht bekannt ist, der Hund nicht bei vollem Bewusstsein ist, bei ätzenden Substanzen oder schaumbildenden Mitteln. Sofort zum Tierarzt!Erste Hilfe

Erste-Hilfe Kurse bieten z.B.: Tierschutzvereine, Tierärzte, Hundevereine, Hundeschulen, Malteser, der ASB und die Rettungshundestaffeln des DRK an.

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