Cairn Terrier Erziehung

Eine lustige Geschichte über „wer erzieht wen“

Bissig ist er nicht aber…..

Unser Cairn-Terrier Clouseau (wie der schusselige Kommissar beim rosaroten Panther) war 15 Monate alt, als mir erste Bedenken kamen, ob seine Erziehung geglückt sei oder nicht.

ClouseauSicher, unser Familienhund ist gelehrig, er liebt unsere und alle anderen Kinder. Er brummt nicht und verteidigt auch sein Essen nicht. Er kann Rolle machen, tanzen auf den Hinterbeinen, macht „hübsch“ und diverse andere Kunststücke
Nur bei „KOMM“ und „BLEIB“ hat er so seine Schwierigkeiten. Er überprüft immer erst die Notwendigkeit der Befehle und wenn ER es für nötig befindet, na ja, dann könnte man ja mal…
Irgendwann wurde mein Ehrgeiz angestachelt, seine fehlende Erziehung „mal eben“ nachzuholen – schließlich hat mir jemand „mit Hundeverstand“ erklärt, dass Clouseau das Rangverhältnis innerhalb der Familie wohl als nicht ganz geklärt ansieht. Das konnte und wollte ich nicht auf mir sitzen lassen.

Also:
1. Ein Buch von Hundefachmann Aldington gekauft und
2. an´s Telefon und den örtlichen Kynologen angerufen.
Mit dem Hund wurde eine 3-Wochenkur begonnen, durch die ihm die Rangfolge deutlich werden sollte. Schon nach wenigen Stunden zeigten sich klare Veränderungen im Verhalten von Clouseau.
Tja, und dann kam die Einladung des Kynologen – kommen Sie doch mal zu einer Probestunde. Diese Einladung nahm ich gerne an, denn mein Selbstvertrauen als „Erzieher“ und „Rudelführer“ war nunmehr völlig im Keller.

ClouseauDer Tag X kam und der Kynologe, ein lässiger Herr, versuchte mir von Anfang an klar zu machen, was ich doch (als allzu zärtliche und zaghafte) Frau so alles falsch gemacht haben sollte. Allerdings: Nichts von seinen Unterstellungen hatte ich auf meinem Konto!

„So gute Frau“ begann er seine Probestunde, „geben Sie mir 3 Minuten, und Ihr Hund freut sich darauf, sich an meine Seite schmiegen zu dürfen!“ So sagte er und verließ mich (indessen zu Schweigen verurteilt) mit meinem Hund an der langen Leine. Clouseau trabte genügsam hinter dem Herren her und dieser zog seine Kreise auf dem durchweichten Acker. Vorwärts – rückwärts- mal in der Runde- immer fröhlich schnalzend und an die Schenkel klopfend, so versuchte er die Aufmerksamkeit unseres Rüden auf sich zu lenken. Immer von einem kräftigen Ruck an der Leine. Ich muss zugeben, dieser Mann hat sich wirklich bemüht. Allerdings kam er langsam in Zugzwang, denn nach seinen vollmundig versprochenen 3 Minuten tat sich immer noch nichts Gravierendes. Clouseau rannte mal voraus, mal blieb er stehen, kümmerte sich um alle wichtigen Randerscheinungen nur, nicht um den Mann am anderen Ende der Leine. Es musste dringend mal an einer Blume gerochen oder auch mal wieder was markiert werden.
Naja, dachte ich, dem Mann wird sicher noch was einfallen, denn so weit war ich auch schon (eigentlich weiter – denn leinenführig ist Clouseau ja).
 
ClouseauEs verging eine Viertelstunde und die beiden trabten immer noch über den Acker – ohne Anzeichen dafür, dass unser Hund sich dem „Anführer“ an die Seite schmiegen würde. Die Kommentare des Hundeführers wurden langsam spitzer – so was wie „hammerharter Rüde“ entsprang seinem Munde, „aber keine Angst, den kriegen wir hin“ kam als Ehrenrettung gleich hinterher.
Plötzlich änderte sich die Situation! Von einer Sekunde zur anderen reagierte mein Hund auf kürzeste Anweisungen des Herrn. Dieser riss als Siegeszeichen die Hand nach oben und zeigte den aufrechten Daumen – sollte wohl heißen „Gute Frau, ich hab Ihren Hund erzogen!“ Ein kurzes „CLOUSEAU KOMM – eine Bestätigung dafür sollte wohl noch vorgeführt werden. Ich stand da und hielt den Atem an. Clouseau kam ohne Verzögerung – schwanzwedelnd – auf den Herrn zu, ich sehe noch dessen triumphierendes Lächeln, und dann sehe ich nur noch, wie mein Hund diesem Herrn ans Bein pinkelt!

Oh Mann, wie habe ich meinen Hund dafür geliebt!!!!

Fazit: Unser Hund hat ein großes Selbstvertrauen – schon als 10 Wochen alter Rüde hatte er keine Angst, sich allein auf den Weg ins Nachbargrundstück zu machen, um dort seine Umgestaltungen vorzunehmen (zwei Tage nach seinem Umzug zu uns). Er ist so selbstsicher, dass ihm keine Handlung unserer kleinen Kinder etwas ausmachen, er toleriert Lärm, Toben, er toleriert die ständig ein- und ausgehenden Leute bei uns im Haus. Es macht ihm nichts aus, wenn ihm jemand das Fressen wegnimmt oder sein Gründstück betritt. Er ist immer fröhlich und freundlich zu allem und jedem – ein wichtiges Familienmitglied!

ClouseauIch bin froh, an eine verantwortungsvolle Züchterin geraten zu sein, die bereits den Welpen so geprägt hat, dass ihm die Widrigkeiten dieser Wellt nichts auszumachen scheinen. Ich möchte mich auf diesem Weg ganz herzlich bei der Züchterin aus Fritzlar-Werkel bedanken.

Ach ja, Clouseau und ich geben nicht auf, es wird weiter geübt, um auch die letzten Missverständnisse zwischen uns auszuräumen – der Kynologe muss wohl zukünftig auf uns verzichten.

Es grüßen ganz herzlich aus Norddeich in Ostfriesland
Familie Uwe und Margitta Schweers mit Clouseau von der Hessenkrone

Veröffentlicht in „der Terrier“ Jahrgang 2/2003

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